Warum Wasser so gut für Leib und Seele ist
Viel Spaß hat der zweite Kneipp-Gesundheits-Kongress
gemacht. Allerdings hätten die Fachvorträge mehr Besucher verdient. Über
den Tag haben nur etwa 150 Besucher in der Hermeskeiler Hochwaldhalle
vorbeigeschaut. Auf mehr Interesse ist tags zuvor der Flohmarkt
zugunsten der am Bahnhof geplanten Kneippanlage gestoßen.
Hermeskeil. Ein Eimer mit kaltem Wasser, einer mit warmem -
dazu ein Gläschen Wein. Siegfried Kiesselmann, Vorsitzender von 35
rheinland-pfälzischen Kneipp-Vereinen (KV), genießt es sichtlich,
seinen Leitspruch zu demonstrieren: "Die Füße im Wasser, die Zunge
im Wein - das können nur Hermeskeiler Kneippianer sein."
Referentin Brigitte Poth hat den 75-Jährigen nicht lange bitten
müssen, beim zweiten Hermeskeiler Kneipp-Gesundheitskongress in die
Rolle des Schülers zu schlüpfen. Ihren humorvollen Anweisungen
folgend, stapfte er immer wieder von einem Eimer in den anderen.
Denn eine solche Behandlung beugt nicht nur vor - sie kann auch bei
manchen Beschwerden helfen, wie Poth, Vorsitzende des KV Edenkoben
in Versen verriet. Das Publikum dankte es lachend, was ja ebenfalls
der Gesundheit zuträglich ist. Ähnlich gut kam Kiesselmanns Zugabe
beim Auftritt einer Line-Dance-Gruppe an, die er mal mit Schrubber,
mal mit Schirm begleitete.
Dazwischen gab es Rat von Experten. Apotheker Michael Bur stellte
heimische Heilkräuter vor wie etwa den Wundheiler Beinwell, den
bakterienhemmenden Meerrettich oder Cannabis, der im 19. Jahrhundert
ein gefragtes schmerzstillendes Präparat war. Heilpraktikerin Sigrid
Otto (Trier) gab Ernährungstipps, Ergotherapeut Oliver Katruff
(Birkenfeld) plädierte für Orientierungsgrenzen für Kinder und
Gerlinde Steil (Reinsfeld) für Wellness. Insgesamt schauten etwa 150
Besucher vorbei beim Kongress mit dem Trierer Orthopäden Peter Krapf
als einem von zwei Schirmherren. Für den Arthrose-Experten ist
Sebastian Kneipp (siehe Extra) ein Revolutionär der Naturheilkunde
im 19. Jahrhundert: "Er war ein Pionier des ganzheitlichen Denkens."
Großen Anklang fand der Flohmarkt am Tag zuvor. Der Erlös dient als
Anschubfinanzierung für die am Bahnhof geplante Kneippanlage
(Bericht folgt). Schirmherr Stadtbürgermeister Udo Moser hofft, den
Höhepunkt für Urlauber und Radtouristen möglichst bald verwirklichen
zu können. Ein solches Angebot sei ebenso wichtig für Hermeskeil wie
das Heranführen von Kindern und Jugendlichen an eine gesunde
Lebensweise. Ein weiteres Ziel der Kneippianer spiegelt sich laut
Hartmut Heck, Beigeordneter der Verbandsgemeinde, im aktuellen
Vereinsmotto "zur Mitte finden". urs
Sebastian Kneipp: Begründer der Kneipp-Bewegung ist der
Naturheilkundler Kneipp (1821-1897), ein katholischer Geistlicher.
Er entwickelte die Kneippkur, ein Heilverfahren, das auf Abhärtung
und Wasseranwendungen setzt sowie auf die Kombination mit Luft,
Sonne, Bewegung und Diät. Derzeit gibt es in Deutschland rund 600
Kneipp-Vereine - davon 35 in Rheinland-Pfalz - mit mehr als 160 000
Mitgliedern (Kneippianern) im Kneipp Bund e.V., dem Dachverband. urs